Selbst wenn man gute zehn Jahre später auf die Welt gekommen ist und mit Skisport nie viel anfangen konnte: Der Name Franz Klammer eilt seinem Ruf voraus. Der sympathische Kärntner hat 1976 bei den olympischen Spielen in Innsbruck Geschichte geschrieben. Als Wunder wurde sein Erfolg damals bezeichnet, seine Technik als Anfang einer neuen Ära. Rund 60.000 Zuschauer waren damals live dabei am Patscherkofel als Franz Klammer Gold holte. Der Rest Österreichs saß vorm Fernseher und fieberte mit – die Straßen waren leergefegt. Es war einer jener Tage, die für immer im Gedächtnis bleiben.

Doch wie kam es zu diesem Erfolg? Was geschah in den fünf Tagen rund um das Abfahrtsrennen? Wie meistere Klammer die Strecke und besiegte seinen Schweizer Konkurrenten Bernhard Russi mit einer scheinbar unmöglichen Startnummer und einem Halbzeitrückstand? Der Film, der im Winter 2021 gedreht wurde, kommt jetzt ins Kino und wird die Fragen beantworten. 

Meine Kollegin Fiona und ich durften im Zuge der Dreharbeiten mit dem Produzenten Jakob Pochlatko und dem Hauptdarsteller Julian Waldner plaudern. Die Idee einen Film über Franz Klammer zu machen hatten bereits viele, Pochlatko konnte mit seiner Idee auch die beiden wichtigsten Menschen – Franz und Eva Klammer – für sich gewinnen. Wieso, und was die Herausforderungen beim Dreh waren, verrät er uns im Interview.

INTERVIEW MIT DEM PRODUZENTEN JAKOB POCHLATKO

Warum, glauben Sie, ist die olympische Leistung von Franz Klammer für so viele Menschen so einprägsam?

Jakob Pochlatko: Ein ganz wesentlicher Punkt ist sicherlich, dass es ein Olympia Heimsieg in Österreich war. Damals war ich zwar noch nicht auf der Welt, aber es ist eine allgegenwärtige Erzählung, dass damals die Straßen leergefegt waren und wirklich jeder zuhause vorm Fernseher gesessen ist, um mit Franz Klammer mitzufiebern. Eine inspirierende Geschichte, die direkt vor der Haustür stattgefunden hat. Das ganz besonders inspirierende an dem Sieg war sicherlich auch die Tatsache, dass so ein junger Mensch, auf dem so viel Druck gelastet hat, es geschafft hat eine fast unschlagbare Zeit zu schlagen!

Wie haben Sie die persönliche Unterstützung von Franz Klammer bekommen?

Die haben wir einerseits bekommen, weil sich die Drehbuchautoren sehr intensiv mit den beiden auseinander gesetzt haben. Andererseits war unser Filmkonzept das erste, das die beiden überzeugt hat. Ich glaube, dass unser Entwurf auch so gut angenommen wurde, weil er von den beiden als starkes Paar erzählt. Dieses Gesamtpaket hat uns die Unterstützung der Klammers gesichert.

Haben Sie überlegt, einen anderen Drehort für den Patscherkofel zu verwenden? Wenn ja, wo?

Wir haben überlegt, welche Drehorte grundsätzlich interessant wären. Wir haben auch überlegt es am Nassfeld oder Bad Kleinkirchheim in Kärnten zu drehen. Da am Patscherkofel die Original Olympiastrecke aber heute noch weitestgehend erhalten ist und dort die Infrastruktur vorhanden war, haben wir uns entschlossen es am Originalschauplatz zu drehen.

Wie fanden Sie die Dreharbeiten in Innsbruck? Gab es irgendwelche Herausforderungen?

Die Dreharbeiten haben gut funktioniert. Bei soviel Personal ist natürlich die Logistik immer eine Herausforderung, vor allem bei einer Skirennstrecke, wo man eine große Fläche abdecken muss. Wie bekommt man das Filmteam auf den Berg und wieder runter? Zusätzlich noch die Wettersituation, die möglichst stabil sein muss. Da hatten wir Glück, bis auf einen Sturmtag haben wir das alles so hinbekommen, wie wir es wollten!

Was war Ihr Lieblingsmoment während der Dreharbeiten in Innsbruck?

Mein Lieblingsmoment waren die beiden Tage, an denen wir den Zieleinlauf gedreht haben. Wo wir mit einer großen Anzahl von Komparsen in wunderbaren historischen Kostümen den Siegesjubel gedreht haben. Da zieht es einem selbst heute – auch wenn es nur eine Filmkulisse war – eine Gänsehaut auf. Unsere Stuntmen sind im Renntempo ins Ziel eingefahren und dann huscht eben der Schauspieler als Franz Klammer ins Bild, das ist schon eine spannende, überzeugende Illusion gewesen.

1976 waren die filmischen Aufzeichnungsmöglichkeiten im Vergleich zu heute sehr eingeschränkt. Wie wurde diese Thematik in der Verfilmung umgesetzt?

Wir haben uns mit einem eigenen Team für die Stuntaufnahmen modernster Kameratechniken bedient. Um die Geschwindigkeit und Dramatik eines Abfahrtslaufs einfangen zu können.

Der Patscherkofel sieht heute ja als Skiberg doch anders aus als 1976. Wie und wo wurde der Großteil gefilmt?

Natürlich sieht es heute anders aus, aber die Streckenführung ist noch authentisch. Vor allem der Baumbewuchs im Zielgelände sieht heute aber anders aus. Da wir uns im Film besonders den Schlüsselstellen widmen, an denen wir auch wirklich überall gedreht haben, fällt das weniger ins Gewicht. Wir haben die gesamte Olympiastrecke gemietet und historisch ausgestattet. Unter anderem mit “Staketenzäunen,” die es ja heute gar nicht mehr gibt. Die Piste haben wir auch ruppig, wie 1976, präpariert. Wir haben sie dann wirklich Stelle für Stelle mit den Schauspielern und den Stuntmans beackert.

JULIAN WALDNER ALS FRANZ KLAMMER

Auch dem Hauptdarsteller Julian Waldner konnten wir noch ein paar Fragen stellen.

Julian, was war die größte Herausforderung beim Dreh?

Julian Waldner: Eine der größten Schwierigkeiten im Film im Gegensatz zu Theateraufführungen besteht darin, dass die Szenen im Film nicht chronologisch gedreht werden. So kann ich nicht den Bogen einer Figur von Anfang bis zum Ende spielen. Wir fangen im Drehbuch irgendwo in der Mitte an und ich muss immer  das ganze Drehbuch im Kopf haben, um zu wissen in welcher Szene/Situation ich mich befinde.

War es schwierig den vorhandenen historischen Aufnahmen als Schauspieler im Film gerecht zu werden?

Es muss natürlich authentisch wirken. Daher habe ich für die Skiszenen wie zum Beispiel den Katapultstart auch extra mit Trainern trainiert!

Vielen Dank euch beiden für das Interview. Wir sind gespannt und freuen uns auf den Film!

Der Film “Klammer – Chasing The Line” kommt am 28. Oktober 2021 in die Kinos.

Ähnliche Artikel